Wandteppich in der Basilika

 

 

Der Mittelteil:

Sicut cervus desiderat ad fontes aquarum ita desiderat anima mea ad te deus

Wie der Hirsch sich nach den Quellen des Wasser sehnt, so sehnt sich mein Geist nach dir, Herr (Gott).

 

Vidi civitatem sanctam Jerusalem no. descendentem de caelo a deo paratam sicut sponsam ornatam viro suo, Apoc. 21

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen, wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

 

Der Rand

Homo natus de muliere brevi vivens tempore repletur multis miseriis, qui quasi flos egreditur et conteritur et fugit velut umbra et numquam in eodem statu manet. breves dies hominis sunt numerus mensium eius apud te est constituisti terminos eius qui praeteriri non poterunt, Job. XIV

Der Mensch ist von der Frau geboren, lebt eine kurze Zeit und ist mit reichlich viel Elend versehen. Dieser kommt wie eine Blume hinaus und wird mit Füßen getreten und flieht wie ein Schatten und verbleibt niemals in dem selben Zustand. Die Tage des Menschen sind kurz, die Anzahl der Monate dessen liegt vor dir, du hast dessen Grenzen gesetzt, die sie nicht überwinden können.

 

Oben

Caeli enarrant gloriam dei et opera manuum eius annuntiat firmamentum.

Die Himmel verkünden den Ruhm Gottes und die Werke seiner Hände kündigen das Firmament an.

 

 

Dieser Teppich wurde der Pfarrei Prüm vom Paramentenverein zur Feier seines 50 jährigen Jubiläums im Jahre 1918 gewidmet. Dieser aus Frauen bestehender Verein stellte diesen Teppich in 10 jähriger Handarbeit nach den Plänen eines Aachener Künstlers, vermutlich Franz Wirth.

Der Teppich ist gegliedert in 3 Teile. Einen großen rechteckigen Mittelteil, der von zwei Bildstreifen umgeben ist.

 

Der Mittelteil

Im Mittelteil sind Paradiesmotive, wie zum Beispiel der Baum des Lebens und die heilige Stadt Jerusalem zu finden. Über der Abbildung Jerusalems steht folgender Schriftzug: „Vidi civitatem sanctam Jerusalem no. descendentem de caelo a deo paratam sicut sponsam ornatam viro suo“ (Apoc. 21) was übersetzt bedeutet: „Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen, wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“.

Darunter, am linken und rechten Rand des Mittelteiles findet man zwei weitere Textbruchstücke, die zusammengesetzt lauten: „Sicut cervus desiderat ad fontes aquarum ita desiderat anima mea ad te deus“, was übersetzt bedeutet: „Wie der Hirsch sich nach den Quellen des Wasser sehnt, so sehnt sich mein Geist nach dir“. Verbildlicht wird diese Aussage durch zwei Hirsche, die vor einem Brunnen stehen.

 

Der innere Bildstreifen

Im inneren Bildstreifen sind neun Bilder mit jeweils einem lateinischen Begriff zu sehen. Sie unterscheiden sich nochmals in ihrer Form und repräsentieren demnach auch verschiedene Dinge aus verschiedenen Bereichen.

Es gibt vier große Vierecke, die die vier Kardinaltugenden darstellen, nämlich Iustitia, die Gerechtigkeit, Temperantia, die Mäßigung, Fortitudo, die Tapferkeit, und Prudentia, die Klugheit. Diese gelten als die wichtigsten „Säulen“ des Lebens.

Die Begriffe in den übrigen fünf Bildern stellen den Verlauf des Lebens dar. Der erste Abschnitt ist Infantia, die Geburt. Nach der Geburt folgt die Kindheit, Pueritia, und die Jugend, Adulescentia. Der nächste Abschnitt lautet lateinisch „aetas“, was man wörtlich mit „Alter“ übersetzen würde, gemeint ist hier aber das Erwachsenenalter. Der letzte Abschnitt trägt den lateinischen Namen „senectus“ und das ist das ganz hohe Lebensalter.

 

Der äußere Bildstreifen

Im des äußeren Bildstreifens befindet sich das Christuslamm mit der Kreuzfahne, wie es auch auf dem Prümer Wappen zu finden ist. Auch die Vier Elemente, aus denen nach antiker Vorstellung das Weltall besteht werden im Teppich aufgegriffen. Auf der rechten Seite befinden sich ein Drache und ein Phönix, die für Feuer stehen. Rechts auf der Unterseite sieht man einen Wal und einen Schwan, welche das Element Wasser darstellen. Links neben dem Christuslamm sind ein Löwe und ein Elefant abgebildet, die für Erde stehen. Und da Element Luft wird aufgegriffen durch die Schwalben und den Adler auf der linken Seite. Die Männer in den Ecken des Teppichs, welche Tonkrüge in den Händen halten, aus denen Wasser in alle vier Weltrichtungen fließt, stellen die vier Paradiesflüsse Gihon, Phison, Euphrat und Tigris.

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© Leistungskurs Latein am Regino-Gymnasium Prüm 2016